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Bodenschutz

Komplexität der Prozesse erschwert Regelungsregime

Böden sind die Schnittstelle von Luft, (Grund-)Wasser, Pflanzen- und Tierreich. Sie können einerseits Belastungen der Umweltmedien abpuffern und damit abrupte Umbrüche abfedern. Andererseits verändern sich die Böden selbst aber auch durch Belastungen mit Schadstoffen oder durch den Klimawandel, wodurch ihre Ausgleichsfunktionen infrage gestellt werden können. Häufig werden solche Veränderungen erst über längere Zeiträume sichtbar, da das System Boden träge reagiert und vor allem Funktions- und Nutzungsbeeinträchtigungen erst spät bemerkt werden. Ein vorsorgender, bereits auf leichte Verände­rungen reagierender Schutz ist im Fall des Bodens aber besonders notwendig, da die Bodenneubildung in extrem langsamen Prozessen verläuft und Böden in menschlichen Zeithorizonten als nicht erneuerbare Ressource betrachtet werden müssen.

Böden sind zunächst Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Menschen mit all ihren unterschiedlichen Nutzungsansprüchen, die sich durchaus widersprechen können – Landwirtschaft, Wohnungsbau und Naturschutzgebiet stehen z. B. in direkter Flächenkonkurrenz. Neben der Funktion als Nutzfläche erfüllen Böden auch Aufgaben der Grundwasserspeicherung und -reinigung, als Kohlenstoffspeicher, als Filter, Puffer und Transformator, Genreservoir und schließlich auch als archäologisches Archiv. Den größten Anteil an der Landes­fläche hat mit über 50 % die landwirtschaftliche Nutzung. Ca. 30 % Deutschlands sind mit Wald bedeckt, Siedlungs- und Verkehrsflächen liegen bei knapp 13 %, Wasser- und sonstige Flächen liegen bei etwa 2 %. In den Jahren 2004 bis 2007 wurden durchschnittlich 113 ha täglich für neue Siedlungs- und Verkehrsflächen erschlossen – das entspricht der Fläche von 410 km²/Jahr und damit etwa der Fläche der Stadt Köln!

Beeinträchtigt werden Böden vor allem durch Flächenversiegelung, Schad- und übermäßige Nährstoffeinträge, Erosion, Bodenverdichtung und durch Humusverluste. Die wesentlichen Bodenprobleme in Deutschland sind die Flächenversiegelung und der flächige Eintrag von Schad- und Nährstoffen insbesondere aus der landwirtschaftlichen Nutzung.

Ziel der Nachhaltigkeitsstrategie ist eine Reduktion der Flächeninanspruchnahme auf 30 ha/Tag bis 2020 – um dies zu erreichen, ist eine umfassende Neuorientierung der Siedlungs- und Verkehrspolitik auf den Ebenen von Bund, Ländern und Kommunen erforderlich.

Da die Qualität der Böden die Grundlage dauerhafter Erträge ist, ist das Inte­resse der landwirtschaftlichen Nutzer am Erhalt eines guten Bodenzustands vorauszusetzen. Dennoch gehen von der landwirtschaftlichen Nutzung durch den Eintrag von Schad- und Nährstoffen (Pflanzenschutz- und Düngemitteln), physikalische Veränderungen durch Erosion und Verdichtung sowie den Verlust organischer Substanz starke Beeinträchtigungen aus. Parallel zu Optimierungsmaßnahmen, die in Einzelbereichen Besserung bringen, sind die Konkretisierung und Kontrolle der Einhaltung der guten fachlichen Praxis und der konsequente Ausbau des ökologischen Landbaus notwendige Schritte, die nicht nur eine Minderung der vorgenannten Beeinträchtigungen, sondern auch Verbesserungen für die Bereiche Naturschutz, Klimaschutz und Biodiversität bewirken.

Weiterführende Literatur:

Umweltgutachten 2008 "Umweltschutz im Zeichen des Klimawandels": Kap. 6, Kap. 11

 


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