Meeresschutz
Erste Handlungsansätze stehen vielfältigen Herausforderungen gegenüber
Trotz eines stetig wachsenden Interesses der Öffentlichkeit und der Politik am Meeresschutz, sind bedeutsame Fortschritte für die Erhaltung der Meereslebensräume noch nicht erkennbar. Die Meere werden weiterhin durch eine Vielzahl von menschlichen Aktivitäten belastet. Diese führen zu direkten Schäden an den Ökosystemen, dem Eintrag von Nähr- und Schadstoffen sowie Müll, der Verschleppung gebietsfremder Arten und Verlärmung. Hinzu kommt der anthropogene Klimawandel, der sich auf die Wassertemperatur, den Meeresspiegel und den pH-Wert der Meere auswirkt.
Oftmals wirken mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig auf die Lebensgemeinschaften. Zu den Folgen anthropogener Belastungen gehören beispielsweise, dass die Ostsee wahrscheinlich langfristig eutrophiert bleiben wird. Besonders betroffen von der Eutrophierung sind aber ebenso die küstennahen Gewässer der Nordsee. Etwa 30 % der Fischbestände (Fischbestand als Subpopulation einer Art) der wichtigsten Nutzfischarten im Nordostatlantik liegen außerhalb sicherer biologischer Grenzen, für die Mehrzahl der Bestände ist deren Status unbekannt. In der Nordsee stellen die Fischereiaktivitäten den Hauptfaktor für den Rückgang der Biodiversität und Veränderungen der Ökosysteme dar. Viele Organismen am Ende der marinen Nahrungskette sind mit persistenten organischen Schadstoffen und Schwermetallen in der Form belastet, dass langfristige Wirkungen auf der Populationsebene nicht ausgeschlossen werden können.
Für den Rückgang der Biodiversität bzw. die Degradation der marinen Ökosysteme und die Veränderung der Meeresstrukturen sind insbesondere die Fischerei, die Schifffahrt, die Öl- und Gasförderung verantwortlich. Hinzu kommen landbasierte Tätigkeiten in Form der landwirtschaftlichen und industriellen Produktion und punktuelle Eingriffe wie die Kies- und Sandentnahme oder Küstenschutzmaßnahmen. Weitere Eingriffe in den Meeresräumen, wie zum Beispiel die Nutzung regenerativer Energien, sind absehbar.
Neben der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie wurden in den letzten Jahren weitere europäische Initiativen, die einem stärkeren Meeresschutz dienen sollen, auf den Weg gebracht. Zu nennen sind insbesondere Maßnahmen zum Schutz der Meere vor Verunreinigungen durch die Seeschifffahrt und vor Eingriffen durch die Fischerei. Diese Aktivitäten sind grundsätzlich begrüßenswert, aber nicht ausreichend, um einen umfassenden Schutz der Meere zu gewährleisten. Dringend erforderlich sind weiter gehende Reformen in der Gemeinsamen Fischereipolitik und der Gemeinsamen Agrarpolitik. Die Fischbestände dürfen in Zukunft nur noch auf der Basis wissenschaftlicher Empfehlungen und nicht aufgrund kurzfristiger politischer und ökonomischer Interessen bewirtschaftet werden. Für den Schutz der Meere sind in der Landwirtschaft weiter gehende Maßnahmen zur Minderung der Nährstoffeinträge unumgänglich. Außerdem müssen die Initiativen zur Minderung der Belastungen durch die Seeschifffahrt sowohl auf europäischer als auch auf internationaler Ebene weiter vorangetrieben werden.
Weiterführende Literatur:
Juli 2011
Meeresschutz- ein Beitrag des SRU
Vortrag auf dem 21. Meeresumweltsymposium am 7. Juni 2011 in Hamburg.
Nachhaltigkeit neu denken - und definieren!
Artikel zum 21. Meeresumweltsymposium aus der WATERKANT, Zeitschrift für Umwelt + Mensch + Arbeit in der Nordseeregion
Umweltgutachten 2008 "Umweltschutz im Zeichen des Klimawandels": Kap. 7.5
Sondergutachten 2004 "Meeresschutz für Nord- und Ostsee"

