Verkehr und Umwelt
Die durch den Straßenverkehr verursachten Folgeschäden an Gesundheit und Umwelt sind nach wie vor unakzeptabel hoch. Trotz Fortschritten in Teilbereichen, insbesondere dank technischer Maßnahmen zur Reduzierung der Luftschadstoffe, hat sich die Lage bisher nicht entspannt. Auch wenn die erheblichen technischen Innovationspotenziale vollständig mobilisiert werden, wird es ohne eine Drosselung des Verkehrswachstums nicht gelingen, die Umwelt- und Gesundheitsfolgen des Straßenverkehrs auf ein akzeptables Niveau zu vermindern. Zentrales Handlungsfeld der Verkehrspolitik sollte daher in Zukunft eine technische Innovationsstrategie für leisere, sauberere und sparsamere Fahrzeuge sein sowie Maßnahmen, die mehr Mobilität für alle mit weniger Verkehr ermöglichen.
So tragen Radiuserweiterung, Siedlungsdispersion und Entmischung infolge zunehmender Suburbanisierung zur Verkehrserzeugung bei. Diesem Trend sollte mit einer konsequenten Umsetzung verkehrsreduzierender Siedlungsstrukturen begegnet werden. Grundlage hierfür sollten die raumordnerischen Leitbilder der dezentralen Konzentration mit Achsenstrukturen und des Konzeptes Zentraler Orte sein.
Nicht der Verkehr, sondern die Mobilität der Bürger sollte die zentrale Zielgröße der Verkehrs- oder Mobilitätspolitik sein. Mobilität ist allerdings nur ein Wert unter vielen anderen, und es gibt keinen Grund, diesem Wert einen grundsätzlichen Vorrang vor anderen Werten zuzumessen. Zukünftige Mobilitätspolitik sollte sich nicht mehr der vermeintlich normativen Kraft von Verkehrsprognosen unterwerfen, wonach eine prognostizierte zunehmende Verkehrsnachfrage durch das Bereitstellen einer entsprechenden Verkehrsinfrastruktur zu befriedigen ist. Statt den prognostizierten Mobilitätsbedarf vorrangig durch eine Förderung des Automobilverkehrs zu befriedigen, sollte Mobilitätspolitik versuchen, risikoärmere und umweltgerechtere Mobilität für alle Bevölkerungsgruppen – auch durch moderate Entschleunigung und Verkehrsvermeidung – zu fördern. Dies bedeutet selbstverständlich keinen Abschied vom motorisierten Individualverkehr, sondern seine sinnvolle Einbettung in eine übergreifende und umweltgerechte Mobilitätspolitik.
Verbesserungen in der Fahrzeugtechnik haben in der Vergangenheit bereits maßgeblich zur Reduktion der Umweltbelastungen des Straßenverkehrs beigetragen. Ohne die stetige Steigerung von Motorleistung und Fahrzeuggewicht wären diese Effekte allerdings stärker ausgefallen. Auch zukünftig bleibt als besonders wichtiges Handlungsfeld fahrzeugtechnischer Maßnahmen die weitere, starke Verminderung der CO2-Emissionen von Fahrzeugen notwendig. Ein Zielwert von 80 – 95 g CO2/km sollte für 2020 angestrebt werden.
Weiterführende Literatur:
Sondergutachten 2005 "Umwelt und Straßenverkehr"
Umweltgutachten 2008 "Umweltschutz im Zeichen des Klimawandels": Abschn. 3.4.6, Abschn. 3.5.4.4, Kap. 9.3

