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Wirtschaft und Umwelt


In Deutschland, aber auch international wird derzeit intensiv über die “grüne Wirtschaft” und die “Postwachstumsgesellschaft” diskutiert. Im Kern geht es darum, ob und wie ein kontinuierliches Wirtschaftswachstum möglich ist, ohne langfristig globale ökologische Grenzen zu überschreiten. Ökologische Grenzüberschreitungen werden im Falle des Klimawandels, des Verlustes von biologischer Vielfalt, zu hoher Nährstofffrachten, der Überfischung, der Landnahme für kommerzielle Nutzungen, der Bodenerosion oder der Wasserknappheit bereits in etlichen Regionen festgestellt.

Die Überschreitung ökologischer Grenzen kann Umkippeffekte mit sich bringen, die gravierende Zurückwirkungen auf Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft hätten. Die Einhaltung dieser Grenzen sollte daher Priorität in der nationalen, europäischen und internationalen Umweltdiskussion erhalten – nicht nur im Klimaschutz.

So unbestreitbar die Tatsache ist, dass ökologische Grenzen bestehen, so anspruchsvoll ist es, sie auf den verschiedenen räumlichen Ebenen konkret zu bestimmen. Neben naturwissenschaftlichen Erkenntnissen müssen dabei auch normative Wertungen über gesellschaftlich akzeptable Risiken und das erwartete Maß an Vorsorge eine wichtige Rolle spielen.

Ökologische Grenzen einzuhalten bedeutet jedoch nicht unbedingt das Ende des Wachstums. Die Potenziale der Entkopplung von Wohlfahrt und Ressourcennutzung sind längst nicht ausgeschöpft, das gilt insbesondere für die Energieversorgung. Unverzichtbar für ein Wirtschaften innerhalb ökologischer Grenzen ist eine Innovationsstrategie, die mit der Transformation großer Infrastrukturen und Produktionssysteme einhergeht. Die derzeitigen Marktpreise liefern hierfür aber aufgrund vielfältigen Markt- und auch Staatsversagens nicht die richtigen Signale. Die staatlichen Institutionen werden – korrespondierend zu der auch verfassungsrechtlich verankerten Verantwortung (Artikel 20a GG, Artikel 191 AEUV) – auch regulativ eingreifen müssen, um Zukunftslösungen zum Durchbruch zu verhelfen.

Es ist allerdings möglich, dass selbst bei Ausnutzung aller Potenziale einer ökologischen Transformation langfristig Grenzen für das Wirtschaftswachstum bestehen. Aus diesem Grunde ist es wichtig, frühzeitig eine Debatte darüber zu beginnen, wie essenzielle gesellschaftspolitische Ziele auch ohne oder mit sehr niedrigem Wachstum erreichbar bleiben. Zentrale Handlungsfelder dieser vorsorglichen Debatte sind die Entschärfung von Verteilungskonflikten, die Sicherung der Beschäftigung, Investitionen in eine wachstumsunabhängige Wirtschaft und die Finanzierung von Staatsausgaben und Sozialsystemen. Daneben sollte zur besseren Kommunikation der Erreichung wohlfahrtsrelevanter Ziele auch die Messung von Wohlfahrt neu überdacht werden.

(Stand: Januar 2015)

Gutachten des SRU zum Thema Wirtschaft und Umwelt:

Umweltgutachten 2016, Kap. 2: Anspruchsvoller Klimaschutz und industrielle Wettbewerbsfähigkeit
Umweltgutachten 2012, Kapitel 1, "Die neue Wachstumsdebatte"
Umweltgutachten 2008 "Umweltschutz im Zeichen des Klimawandels": Kap. 2
Kommentar zur Umweltpolitik Nr. 6: Klimaschutz in der Finanzkrise, 2008
Stellungnahme Nr. 9, 2005: Auf dem Weg zur Europäischen Ressourcenstrategie
Stellungnahme Nr. 7, 2005: Kontinuität in der Klimapolitik
Umweltgutachten 2002 "Für eine neue Vorreiterrolle": Kap. 2.2

SRU-Medienbeiträge:


19.06.2012

ZEIT ONLINE: Vorfahrt für die grüne Ökonomie (Karin Holm-Müller, Christian Hey)

15.09.2009

Strategieelemente zur Steigerung der Ressourceneffizienz. In: KfW (2009): Perspektive Zukunftsfähigkeit - Steigerung der Rohstoff- und Materialeffizienz (Seite 9).








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