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Wälder

Um die Waldflächen konkurrieren unterschiedliche Nutzungsansprüche. Als Rohstoff, Baumaterial und Energiequelle ist Holz von besonderer kommerzieller Bedeutung. Mindestens ebenso wichtig ist aber die Funktion der Wälder als natürlicher Lebensraum sowie für den lokalen und globalen Klimaschutz. Naturnahe Wälder bilden einerseits eine wichtige Senke für Treibhausgase, andererseits sind sie für die Anpassung an die durch den Klimawandel zu erwartenden Extremwetterereignisse wesentlich.

Mit dem Anstieg der Energie- und Rohstoffpreise droht eine Kommerzialisierung der Waldnutzung, die die nichtkommerziellen Funktionen der Wälder zunehmend gefährdet. Bei der Nutzung muss jedoch dem Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen Vorrang gegeben werden. Daher müssen Maßnahmen ergriffen werden, um diese nachhaltig zu erhalten.

Die Ziele der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt für den Lebensraum Wald müssen dringend umgesetzt und in entsprechenden raumkonkreten Strategien der Länder festgelegt werden. Dabei sind unter anderem Flächen mit natürlicher Entwicklung auf 10 % der geeigneten Waldfläche der öffentlichen Hand rechtlich abzusichern. Ein hochwertiges Zertifizierungssystem sollte auf mindestens 80 % der Waldfläche angewendet werden.

Ökologische Mindeststandards sollten für die gesamte Waldfläche Deutschlands gelten. Dazu könnten zum Beispiel eine Konkretisierung des Begriffs der “ordnungsgemäßen Forstwirtschaft” in § 11 Absatz 1 Bundeswaldgesetz beitragen oder eine Verordnungsermächtigung im Bundesnaturschutzgesetz. Diese Standards würden gleichzeitig auch den Bewertungsmaßstab für die Honorierung darüber hinausgehender öffentlicher Leistungen bilden. Bei der Erfassung von Wildschäden sollten auch Schäden an der biologischen Vielfalt in die Schadensermittlung mit einbezogen werden. Die Vermeidung von Wildschäden sollte prioritär gegenüber monetären Ersatzmaßnahmen sein.

Zur Abmilderung des Klimawandels in den kommenden Jahrzehnten sollte der Aufbau weiterer Kohlenstoffvorräte im Wald durch ein höheres Bestandsalter angestrebt werden. Ein hohes Alter des Waldes ist gleichzeitig die Grundlage für das Vorkommen vieler gefährdeter Waldarten. Um die Kohlenstoffspeicherfunktion zu schützen, empfiehlt der SRU eine schonende Nutzung von Biomasse aus Wäldern. Dabei sollten mindestens 50 % der natürlichen Holzvorräte erhalten bleiben. Unter Berücksichtigung von Natur und Bodenschutz sollten die Potenziale von Landschaftspflegeholz und Resthölzern erschlossen werden. Für eine vollständige Kohlenstoffbilanzierung müsste grundsätzlich neben der ober- und unterirdischen Biomasse auch der in Totholzvorräten, Streu und Waldboden gespeicherte
Kohlenstoff berücksichtigt werden.

(Stand: Januar 2015)

Gutachten des SRU zum Thema Wälder:

Umweltgutachten 2016, Kap. 5: Mehr Raum für Wildnis in Deutschland
UG 2012, Kapitel 6, "Umweltgerechte Waldnutzung"
Umweltgutachten 2008 "Umweltschutz im Zeichen des Klimawandels": Abschn. 3.7.3.3, Abschn. 5.3.3
Umweltgutachten 2000 "Schritte ins nächste Jahrtausend": Kap. 3.1
Sondergutachten 1996 "Konzepte einer dauerhaft umweltgerechten Nutzung ländliche Räume": Abschn. 2.5.3
Materialien zur Umweltforschung 35
Materialien zur Umweltforschung 27

SRU-Medienbeiträge und Zeitschriftenartikel

Februar 2014
Prof. Dr. Niekisch im REPORT MAINZ

"Kahlschlag im Buchenwald: Wie Bundesländer ihre Wälder zu Geld machen"

2012

Gespräch zwischen dem Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) und dem Deutschen Verband Forstlicher Forschungsanstalten (DVFFA)

2012

„Umweltgerechte Waldnutzung“ - Gut begründet und erforderlich

2012

Umweltgerechte Waldnutzung Vortrag von Prof. Dr. Niekisch (SRU)

2012)

Streit um den Wald: Artikel von Peter Carstens auf GEO.de

2011

Waldstrategie 2020: Brief an Bundesministerin Ilse Aigner



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