Navigation und Service

Sachverständigenrat für Umweltfragen (Link zur Startseite)


Verkehr und Klimaschutz

Der Verkehr, dominiert vom Straßenverkehr, ist für etwa ein Viertel aller Treibhausgasemissionen Deutschlands verantwortlich. Auch wenn die erheblichen Potenziale durch weitgehend klimaneutrale Kraftstoffe und effizientere Antriebssysteme vollständig mobilisiert werden, wird es ohne eine Drosselung des Verkehrswachstums nicht gelingen, die nationalen Klimaschutzziele zu erreichen. Bisher hat es die Verkehrspolitik allerdings versäumt, zielführende Konzepte für einen klimaverträglichen und nachhaltigen Verkehr zu entwickeln. Zentrale Handlungsfelder der Verkehrspolitik sollten daher in Zukunft eine technische Innovationsstrategie für sparsamere und emissionsärmere Fahrzeuge sowie Maßnahmen, die mehr Mobilität mit weniger Verkehr ermöglichen, sein.

So tragen Radiuserweiterung, Siedlungsdispersion und Entmischung infolge zunehmender Suburbanisierung zur Verkehrserzeugung bei. Diesem Trend sollte mit einer konsequenten Umsetzung verkehrsreduzierender Siedlungsstrukturen begegnet werden. Nicht der Verkehr, sondern die Mobilität der Bürger sollte die zentrale Zielgröße der Verkehrs- oder Mobilitätspolitik sein. Dabei sollte sie den Mobilitätsbedarf nicht vorrangig durch eine Förderung des Automobilverkehrs befriedigen, sondern umweltgerechtere Mobilitätsangebote für alle Bevölkerungsgruppen machen.

Angetrieben von wirtschaftlichen Entwicklungen wie einer zunehmenden (internationalen) Arbeitsteilung, werden insbesondere für den Güterverkehr auch weiterhin hohe Wachstumsraten prognostiziert. Allerdings scheinen die bisher zugrunde gelegten Wachstumsprognosen zu hoch angesetzt. Zukünftige Mobilitätspolitik sollte sich nicht mehr der vermeintlich normativen Kraft von Verkehrsprognosen unterwerfen.

In der Infrastrukturpolitik sind neue Prioritäten zugunsten klimaverträglicher Verkehrslösungen vordringlich. Die Bundesverkehrswegeplanung sollte daher zu einer zielorientierten strategischen Netzplanung mit einer vorrangigen Ausrichtung an Klimazielen umgestaltet werden.

Verbesserungen in der Fahrzeugtechnik werden auch in Zukunft maßgeblich zur Reduktion der Umweltbelastungen des Straßenverkehrs beigetragen müssen. Deshalb sind ambitionierte CO2-Grenzwert für Pkw und Lkw bis zum Jahr 2030 frühzeitig festzusetzen.

Langfristig ist es notwendig, die Energieversorgung des Verkehrs auf erneuerbare Energieträger umzustellen. Da Biokraftstoffe aus nachhaltigem Anbau nur in unzureichenden Mengen verfügbar sein werden, erfordert dies vorrangig die weitgehende Umstellung auf regenerativ-elektrische Systeme.

Die langfristige, weitgehende Elektrifizierung des Verkehrssektors umfasst dabei sowohl eine Verlagerung von Verkehren von der Straße auf die Schiene als auch den Umstieg auf elektrische Antriebe bei Pkw und Lkw. Für die Elektrifizierung des Lkw-Verkehrs stellen nach bisherigen Untersuchungen oberleitungsgeführte Systeme eine interessante Option dar. Die Einführung eines Oberleitungssystems für elektrisch betriebene Lkws (Trolley-Trucks) sollte vor diesem Hintergrund umfassend technisch, ökonomisch und europarechtlich geprüft und in Demonstrationsprojekten erprobt werden.

Kurzfristig könnten durch die Besteuerung von Kraftstoffen gemäß ihrem Kohlenstoffgehalt und die Berücksichtigung externer Kosten in der Lkw-Maut zusätzliche Anreize für technologische Innovationen, logistische Optimierung und Verlagerung auf die Schiene gesetzt werden. Mithin ließe sich durch die Abschaffung der steuerlichen Privilegierung von Dieselkraftstoff eine Ursache von Schadstoffbelastungen und klimapolitischen Verzerrungen beseitigen.

(Stand: November 2014)

Gutachten des SRU zum Thema Verkehr und Umwelt:

Umweltgutachten 2012, Kapitel 4, Güterverkehr und Klimaschutz
Umweltgutachten 2012, Kapitel 5, Mobilität und Lebensqualität in Ballungsräumen
Umweltgutachten 2008 "Umweltschutz im Zeichen des Klimawandels": Abschn. 3.4.6, Abschn. 3.5.4.4, Kap. 9.3
Sondergutachten 2005 "Umwelt und Straßenverkehr"

Medienbeiträge, Veröffentlichungen und Vorträge

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.elektrifizierung-illusion-oder-die-zukunft-des-verkehrs.024dadb7-966f-4586-8029-8c82bdace95e.html

http://www.zeit.de/auto/2012-06/lkw-oberleitungen

„Hey / Elmer (2012): Grenzen des Güterverkehrswachstums werden sichtbar, Internationales Verkehrswesen“


Diese Seite:

© Sachverständigenrat für Umweltfragen - 2008