Navigation und Service

Sachverständigenrat für Umweltfragen (Link zur Startseite)


Naturschutz

Naturschutz und Landschaftspflege leisten für die Gesellschaft essenzielle Beiträge zur Erhaltung und Wiederherstellung der Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes im besiedelten wie im nicht besiedelten Bereich.

Dabei zeichnet sich der Naturschutz durch eine integrierende Sichtweise aus, die unter anderem die Funktionen von Böden, Gewässern, Flora und Fauna als Schutzziele berücksichtigt. Bei entsprechendem politischen Willen und Ressourceneinsatz muss der Naturschutz nicht in der Defensive verharren, sondern kann beachtliche Erfolge erzielen, wie in der jüngeren Vergangenheit insbesondere im Bereich der Etablierung des Europäischen Netzes Natura 2000 und der Sicherung des nationalen Naturerbes. Gemessen an dem Handlungsbedarf angesichts des hohen Nutzungsdrucks in der Landschaft sind diese Erfolg versprechenden Ansätze jedoch keinesfalls ausreichend für eine dauerhafte Sicherung aller Funktionen des Naturhaushaltes.

Besondere Probleme bereiten nach wie vor die überhöhten Nährstoffeinträge in empfindliche Ökosysteme. Der übermäßige Eintrag von reaktivem Stickstoff trägt erheblich zum Verlust von Biodiversität bei. Dabei wirken sich schon sehr geringe Einträge auf manche Arten und Ökosysteme ungünstig aus. Ohne eine effektive Strategie zur Minderung von Einträgen reaktiver Stickstoffverbindungen ist es kaum möglich, die Ziele und rechtlichen Vorgaben im Bereich des Naturschutzes einzuhalten, also beispielsweise geschützte Arten und Lebensräume in einen „günstigen Erhaltungszustand“ zu versetzen und eine „Verschlechterung des Zustands natürlicher Lebensräume“ zu vermeiden. Prozesse wie Versauerung, Stickstoffsättigung und Artenverlust lassen sich nicht oder nur in sehr langen Zeiträumen umkehren. Weitere Probleme sind der stark zunehmende Grünlandumbruch mit seinen gravierenden Wirkungen für Treibhausgasemissionen, Wasser, Flora und Fauna, der wachsende Nutzungsdruck auf Waldökosysteme, die Flächeninanspruchnahme und die Zerschneidung von Lebensräumen sowie geringe Schutzgebietsgrößen und Biotopvernetzungsgrade. In der Folge sind viele Leistungen des Naturhaushaltes und insbesondere die Biodiversität auf allen Ebenen (genetische, Arten-, Ökosystemvielfalt) stark gefährdet. Zusätzlich stellen neue, zum Teil schwer kalkulierbare Zukunftsentwicklungen wie der Klimawandel und zukünftige Veränderungen der Agrarpolitik den Naturschutz vor neue Herausforderungen. Dieses zieht gesteigerte Anforderungen an die strategische Ausrichtung, die Prognosefähigkeit und die Handlungskapazitäten des administrativen Naturschutzes nach sich. Die Bundesregierung hat mit der Nachhaltigkeits- und insbesondere der Biodiversitätsstrategie richtungweisende Ziele gesetzt, die Orientierung geben und Antworten auf die oben genannten Herausforderungen vorzeichnen. Es kommt jetzt darauf an, Wege zu finden, diese Ziele auch tatsächlich umzusetzen. Die Umsetzung stellt ein Problem und eine große Herausforderung für den Naturschutz dar, insbesondere aufgrund

  • der unzureichenden Finanzierung und Verwaltungskapazitäten des Naturschutzes,
  • der föderalen Rechtszersplitterung und des geringen Stellenwertes des Naturschutzes in manchen Bundesländern,
  • der geringen Erreichbarkeit der umsetzungsentscheidenden Kommunen und Landnutzer durch Ziele des Bundes,
  • konfliktträchtiger Sektorpolitiken (Verkehr, Bau, Landwirtschaft),
  • mangelnder Mitwirkungs- und Klagemöglichkeiten von Bürgern sowie
  • einer trotz erster positiver Ansätze des FFH-Monitorings (FFH – Fauna-Flora-Habitat) noch immer weitgehend zersplitterten und höchst defizitären Umweltbeobachtung und Umweltinformation.

Der Naturschutz wird durch diese Hemmnisse an einer Lösung der genannten Probleme gehindert, auch droht ein teilweiser oder gänzlicher Verlust mühsam errungener Erfolge (z. B. durch qualitative Erosion insbesondere vieler wertvoller und sogar geschützter Gebiete, die nicht dem Netz Natura 2000 angehören).

Essenziell ist auch die Verbesserung der finanziellen Basis durch eine Erhöhung und effiziente Verausgabung der Agrarumweltmittel und die Verbesserung der steuerrechtlichen Voraussetzungen für Spenden und Stiftungen. Die Kapazitäten der Naturschutzverwaltungen müssen den umfangreichen Aufgaben angepasst werden. Durch umfassende Informations-, Partizipations- und Klagemöglichkeiten sowie eine an die konkrete Naturschutzarbeit gekoppelte Umweltbildung sollte die Mitwirkung der Bürger gefördert werden.

(Stand: Januar 2015)

Gutachten des SRU zum Thema Naturschutz:

Umweltgutachten 2016, Kap. 5: Mehr Raum für Wildnis in Deutschland
Umweltgutachten 2016, Kap. 6: Verbesserter Schutz der Biodiversität vor Pestiziden

Sondergutachten (Kurzfassung)

"Stickstoff: Lösungsstrategien für ein drängendes Umweltproblem" (2015)

Sondergutachten (Hausdruck)

"Stickstoff: Lösungsstrategien für ein drängendes Umweltproblem" (2015)

Aktuelle Stellungnahme Nr. 14 "Für eine zeitgemäße Gemeinsame Agrarpolitik", 2009
Umweltgutachten 2008 "Umweltschutz im Zeichen des Klimawandels": Kap. 3.7, Kap. 5
Sondergutachten 2007 "Klimaschutz durch Biomasse": Kap. 3.1, Abschn. 4.2.1, Abschn. 4.4.2
Sondergutachten 2005 "Umwelt und Straßenverkehr": Kap. 2.2, Abschn. 5.5.2, Abschn. 8.1.4.3
Umweltgutachten 2004 "Umweltpolitische Handlungsfähigkeit sichern": Kap. 3, Abschn. 4.1.5.2
Umweltgutachten 2002 "Für eine neue Vorreiterrolle": Abschn. 3.2.4
Sondergutachten 2002 "Für eine Stärkung und Neuorientierung des Naturschutzes"
Materialien zur Umweltforschung 36, 2002
Umweltgutachten 2000 "Schritte ins nächste Jahrtausend": Abschn. 2.3.1
Sondergutachten 1996 Nutzung ländlicher Räume"
Umweltgutachten 1994: Abschn. 1.2.1, Abschn. 1.3.5,












Diese Seite:

© Sachverständigenrat für Umweltfragen - 2008