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Moore

Moorböden in einen naturnahen Zustand durch Wiedervernässung, Nutzungsextensivierung Moorböden leisten einen herausragenden, jedoch bislang weitgehend vernachlässigten Beitrag zum Klimaschutz. Sie enthalten und speichern große Mengen an Kohlenstoff. Diese Ökosystemleistung der Moorböden wird durch die Entwässerung der Flächen, insbesondere für die landwirtschaftliche Nutzung, zerstört. In Deutschland betrifft dies rund 12.000 km², die mit etwa 4 % zu den jährlichen Treibhausgasemissionen Deutschlands beitragen und damit etwa ein Drittel der Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft verursachen.

Die langfristige Rückführung von und Renaturierung kann damit einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Neben der Klimaentlastung entstehen auch positive Synergieeffekte für die Biodiversität und den Wasserhaushalt. Um konkrete Schutzmaßnahmen vornehmen zu können, müssen zunächst die Datengrundlagen geschaffen und harmonisiert werden. Der SRU hat im Umweltgutachten 2012 daher eine Bundesinitiative Moorschutz in zwei Phasen empfohlen:

In Phase I sollen bis 2015 Kenndaten über Lage, Zustand (Nutzung, Wasserstand, Biodiversitätszustand und -potenzial) und Besitzverhältnisse aller Moorflächen erhoben werden. Parallel sind ein Kataster und eine Austauschplattform über die abgeschlossenen und laufenden Renaturierungen aufzubauen. Naturnahe Moore sind zu sichern und ihr Erhaltungszustand soweit notwendig zu verbessern.

In Phase II wird für alle Hochmoorböden eine Wasserstandsanhebung bis zu einem naturnahen Zustand vorgesehen (soweit hydrologisch möglich).
Für den Schutz von Hochmoorböden auch über Deutschland hinaus ist ein Torfausstiegsplan zu erarbeiten, der neben einem Ende des Torfabbaus in Deutschland auch die Erforschung von Alternativen sowie den Erlass eines Verwendungsverbotes für Torf beinhaltet. Auf Niedermoorböden soll der Wasserstand angehoben und die Nutzung extensiviert werden, um eine deutliche Senkung der Treibhausgasemissionen aus diesen Böden zu erreichen. Erfolge sowie Fehlentwicklungen der Schutz-, Extensivierungs-und Renaturierungsmaßnahmen müssen in einem Monitoringprogramm dokumentiert werden.


Die Leistung intakter Moore für den Klimaschutz muss zudem angemessen honoriert werden. Infrage kommen der Ausbau der Finanzierungsmöglichkeiten des Moorschutzes, die Beseitigung von Fehlanreizen, die eine Entwässerung attraktiv machen, und die Honorierung von Nutzungsextensivierung und Pflege renaturierter Moorböden. Der Schutzstatus von Moorböden sollte zudem im Natur- und Bodenschutzrecht gerade gegenüber konkurrierenden Nutzungen gestärkt werden.

Seitdem haben die Anstrengungen zum Moorschutz zugenommen. Niedersachsen hat mit dem Programm „Niedersächsische Moorlandschaften“ Eckpunkte für die kommenden Jahre festgelegt, Baden-Württemberg hat eine Kompetenzstelle Moorschutz eingerichtet, in der bis 2015 ein Moorschutzprogramm und ein Handbuch Moorschutz erstellt werden. Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Schleswig-Holstein gehen neue Wege mit dem Verkauf von MoorFutures und einem ersten Niedermoorbiomasseheizkraftwerk, das moorgerecht gewonnenes Pflanzenmaterial einsetzt, Bayern hat sich die Renaturierung von 50 Moorflächen bis 2020 auf die Fahnen geschrieben.

Gleichwohl gibt es nach wie vor keine Bundesinitiative, die die Aktivitäten der betroffenen Bundesländer bündeln und den Austausch von best-practise-Ansätzen ermöglichen könnte. Auch die flächenhafte Reduktion von Treibhausgasen aus landwirtschaftlich genutzten Moorböden wird sich ohne bindende Ziele auf Bundesebene nicht erreichen lassen.

(Stand: November 2014)

Gutachten des SRU zum Thema Moore:

Umweltgutachten 2012: "Verantwortung in einer begrenzten Welt", Kapitel 7:" Moorböden als Kohlenstoffspeicher"

Weitere Veröffentlichungen und Vorträge

Baron, Mechthild; Dahms, Henriette: Moorschutz auf die bundespolitische Agenda : SRU-Gutachten fordert eine Bundesinitiative Moorschutz. In: Natur und Landschaft: Zeitschrift für Naturschutz und Landschaftspflege. - 88 (2013), H. 9/10, S. 381-385

http://www.kohlhammer.de/wms/instances/KOB/appDE/Natur-und-Landschaft-fuer-freies-Einkaufen/Moorschutz-auf-die-bundespolitische-Agenda-SRU-Gutachten-fordert-eine-Bundesinitiative-Moorschutz/

Dr. Mechthild Baron Vortrag „Kleine Fläche – große Wirkung Bundesinitiative Moorschutz“ am 21.09.12 auf dem Deutschen Naturschutztag (DNT)

http://www.deutscher-naturschutztag.de/fileadmin/user_upload/FV_Vortraege_PDFs/FV5_PDF/FV5_2_Baron_Moorschutz.pdf


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