Navigation und Service

Sachverständigenrat für Umweltfragen (Link zur Startseite)


Landwirtschaft

Die Landwirtschaft hat in der Vergangenheit einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung und zur Schaffung neuer Lebensräume für viele Arten beigetragen. Mit ihrer Intensivierung und Industrialisierung ist sie aber mittlerweile zu einem wichtigen Verursacher des Klimawandels und einem Hauptfaktor der Ge­fährdung von Biodiversität geworden.

Von besonderer Bedeutung sind die Nährstoffüberschüsse aus der Landwirtschaft, die in Form verschiedener reaktiver Stickstoffverbindungen in die Umwelt freigesetzt werden. Stickstoffverbindungen wie beispielsweise Stickstoffoxide und Ammoniak belasten Umwelt und Gesundheit auf vielfältige und komplexe Weise:

  •  Sie  tragen durch Eutrophierung und Versauerung zum Verlust von Biodiversität bei.
  • Stickstoffoxide in der Luft schädigen direkt die menschliche Gesundheit, bilden gemeinsam mit Ammoniak gesundheitsschädlichen Feinstaub und fördern die Bildung von bodennahem Ozon.
  • Nitrat im Trinkwasser und in Nahrungsmitteln belastet die menschliche Gesundheit, bei Nitrosaminen besteht der Verdacht auf kanzerogene Wirkungen.
  • Lachgas schädigt die Ozonschicht und trägt zum Klimawandel bei.

Seit Beginn der Industrialisierung hat sich die Freisetzung von reaktiven Stickstoffverbindungen fast verzehnfacht. Freigesetzt wird reaktiver Stickstoff vor allem durch die Verwendung von Düngemitteln und die Tierhaltung. Durch die räumliche Konzentration von bestimmten landwirtschaftlichen Produktionszweigen wie etwa der Tierhaltung entstehen lokal sehr stark belastete Gebiete.

Neben der Belastung durch Nährstoffe gefährden Pestizide und auch Arzneimittel viele Tier- und Pflanzengruppen und damit auch die positiven Funktionen, die sie für die Produktion haben (z. B. die Bestäubung oder die natürliche Schädlingsbekämpfung). Daher ist es notwendig, dass der Einsatz von Pestiziden strengen Anforderungen genügt und auf das erforderliche Mindestmaß reduziert wird. Durch  ein medienübergreifendes Monitoring müssen die möglichen Schadwirkungen kontinuierlich geprüft werden.

Zudem  ist eine tiefgreifende Reform der Agrarpolitik und eine deutliche Nachbesserung der Umweltvorschriften für die Landwirtschaft notwendig. Der SRU empfiehlt seit Langem, dass öffentliche Gelder für die Landwirtschaft für öffentliche Güter, wie den Erhalt der Biodiversität oder den Klimaschutz ausgegeben werden. Die Mittel für Agrarumweltprogramme müssen deutlich aufgestockt werden. Die mit den Agrarsubventionen verknüpften Umweltauflagen sollten zudem verschärft werden. Prioritär sind das Verbot von Grünlandumbruch, ambitionierte Vorgaben für ökologische Vorrangflächen (Flächennutzung im Umweltinteresse) und die Anbaudiversifizierung.

Wichtig ist vor allem:

  • Die Erfüllung von Mindestanforderungen des Umwelt- und Naturschutzes auch in den intensiv genutzten Hochertragsstandorten.
  • Die Erhaltung einer extensiven landwirtschaftlichen Produktion mit ihren positiven Effekten für die Artenvielfalt und die abiotischen Ressourcen.
  • Die Erhaltung bestimmter landwirtschaftlicher Praktiken auf eben wegen dieser Praktiken naturschutzfachlich bedeutsamen Flächen, die von der Nutzungsaufgabe bedroht sind.

Zukünftig muss die GAP so umgestaltet werden, dass sie diesen Zielen gerecht wird. Für die europäische Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) begann im Jahr 2014 die neue Förderperiode bis 2020. Die Ergebnisse der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik sind aus Sicht von Umwelt- und Naturschutz ernüchternd. Die ökologischen Anforderungen bei Agrarsubventionen sind – auch mit Unterstützung der deutschen Bundesregierung – im Verlauf der Verhandlungen abgeschwächt worden. Spielräume für eine ökologisch vorteilhafte Umsetzung in Deutschland wurden nicht genutzt. Bei der Halbzeitüberprüfung 2017 sollte dringend nachgebessert werden.

(Stand: Januar 2015)

Gutachten des SRU zum Thema Landwirtschaft:

Umweltgutachten 2016, Kap. 6: Verbesserter Schutz der Biodiversität vor Pestiziden
Sondergutachten "Stickstoff: Lösungsstrategien für ein drängendes Umweltproblem" Kap. 3.4, 3.5, 4.1, Abschnitt 6.4.4
Novellierung der Düngeverordnung: Nährstoffüberschüsse wirksam begrenzen
Kurzstellungnahme der Wissenschaftlichen Beiräte für Agrarpolitik (WBA) und für Düngungsfragen (WBD) beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) und des Sachverständigenrates für Umweltfragen der Bundesregierung (SRU) zur Novellierung der "Düngeverordnung" (DüV)
Umweltgutachten 2012 "Verantwortung in einer begrenzten Welt": Kap. 10, besonders Abschnitt 10.3.4
Kommentar zur Umweltpolitik Nr. 11 Die Reform der europäischen Agrarpolitik: Chancen für eine Neuausrichtung nutzen
Stellungnahme Nr.14 "Für eine zeitgemäße Gemeinsame Agrarpolitik (GAP)", 2009
Umweltgutachten 2008 "Umweltschutz im Zeichen des Klimawandels": Kap. 11
Sondergutachten 2007 "Klimaschutz durch Biomasse"
Umweltgutachten 2004 "Umweltpolitische Handlungsfähigkeit sichern": Kap. 4
Kommentare zur Umwelt Nr. 3, 2004
Umweltgutachten 2002 "Für eine neue Vorreiterrolle": Abschn. 3.2.5.1
Sondergutachten 2002 "Für eine Stärkung und Neuorientierung des Naturschutzes": Abschn. 5.2.7
Materialien zur Umweltforschung 36, 2002
Umweltgutachten 1996 "Zur Umsetzung einer dauerhaft-umweltgerechten Entwicklung": Abschn. 5.4.4
Sondergutachten 1996 "Konzepte einer dauerhaft-umweltgerechten Nutzung ländlicher Räume": Kap. 2.4, Kap. 2.5
Umweltgutachten 1994 "Für eine dauerhaft-umweltgerechte Entwicklung": Kap. 2
Sondergutachten 1985 "Umweltprobleme der Landwirtschaft"

SRU-Medienbeiträge:


Novellierung von Düngegesetz und Düngeverordnung - Offener Brief - 2016
Vorstellung des SRU-Kommentars "Die Reform der europäischen Agrarpolitik: Chancen für eine Neuausrichtung nutzen", 2013
Strategie zur Minimierung von reaktiven Stickstoffverbindungen“, Stellungnahme des SRU zur Anhörung des Agrarausschusses des Landtages von Mecklenburg-Vorpommern
Pressemitteilung Europäische Agrarpolitik: Chancen der Neuausrichtung nutzen 2013
Brief an Bundesministerin Ilse Aigner, 2011
Konsultation der Europäischen Kommission für die Folgenabschätzung der Vorschläge zur "Gemeinsamen Agrarpolitik bis 2020", 2011
Fragenkatalog für die Öffentliche Anhörung des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Bundestages zum Thema „Gemeinsame Agrarpolitik nach 2013“, 2010
Brief des Präsidenten des Bauernverbandes an den Generalsekretär des SRU, 2010
Antwortbrief des Generalsekretärs des SRU an den Präsidenten des Bauernverbandes, 2010
Biodiversität als neue politische Herausforderung-Schlussfolgerungen für die Agrarpolitik, 2010

Diese Seite:

© Sachverständigenrat für Umweltfragen - 2008