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Sachverständigenrat für Umweltfragen (Link zur Startseite)


Lärmschutz

Akute und chronische Lärmbelastungen führen zu einer Beeinträchtigung der Gesundheit, auch wenn der Schallpegel unterhalb der Schwelle für Gehörschäden liegt. Bereits 1999 hat der Sachverständigenrat für Umweltfragen betont, dass Lärm als Stressor wirkt und damit die Ausbildung von Erkrankungen begünstigt, die durch Stress verursacht werden. Dies sind vor allem Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese Erkenntnisse sind in neueren Untersuchungen bestätigt worden.

Die Belastung der Bevölkerung durch übermäßigen Lärm bleibt ein dauerhaft ungelöstes Umweltproblem. In den letzten zehn Jahren konnte nur eine geringe Entlastung erreicht werden. Als wichtigste störende Lärmquelle wird in Umfragen der Straßenverkehr genannt, gefolgt von Nachbarschaftslärm, Schienen- und Flugverkehrslärm sowie Industrie- und Gewerbelärm. Von der Lärmbelästigung sind insbesondere Menschen betroffen, die in dicht besiedelten Gebieten wohnen.

Diese aktuellen Entwicklungen der Lärmwirkungsforschung und die inzwischen vorliegenden Ergebnisse aus Lärmkartierungen bestätigen, dass eine deutliche Reduzierung des Lärms aus allen relevanten Quellen erforderlich ist. Dabei soll der aktive Lärmschutz Vorrang vor dem passiven Lärmschutz haben. Geeignete Maßnahmen sind unter anderem Geschwindigkeitsbegrenzungen im Straßenverkehr, eingeschränkte LKW-Fahrverbote,

Die Lärmminderungsplanung wurde in Deutschland in Umsetzung der Umgebungslärmrichtlinie der EU neu gestaltet. Die neuen Bestimmungen sind darauf gerichtet, im Rahmen einer lärmquellenübergreifenden Schutzstrategie schädliche Auswirkungen einschließlich Belästigungen durch Umgebungslärm zu verhindern. Dafür wird in einem ersten Schritt eine strategische Lärmkartierungen angefertigt und in einem zweiten Schritt Lärmaktionspläne. Die bisherigen Bemühungen der Planungsträger lassen allerdings Defizite erkennen.

Der SRU hat sich zuletzt intensiv mit dem Fluglärm befasst. In seinem Sondergutachten „Fluglärm reduzieren: Reformbedarf bei der Planung von Flughäfen und Flugrouten“ aus dem Jahre 2014 stellt der SRU erhebliche Defizite fest. Derzeit laufen Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) und Öffentlichkeitsbeteiligung bei der Flughafenplanung oftmals ins Leere. Sie beziehen sich bestenfalls auf prognostizierte Flugrouten, die auch im Falle von wesentlichen Änderungen ohne weitere Öffentlichkeitsbeteiligung geändert werden können. Damit sind aber auch Menschen vom Fluglärm betroffen, die davon vorab nichts wussten und sich daher auch nicht an den Planungen beteiligen konnten. Als weiteres Problem kommt hinzu, dass den für den Fluglärm relevanten festgelegten Flugrouten in der Praxis eine geringe Verbindlichkeit zukommt. Derzeit erhalten Piloten von der zuständigen Stelle oftmals aus rein ökonomischen Gründen Einzelfreigaben, die ihnen ein Abweichen von den festgelegten Flugrouten erlauben. Dies führt dazu, dass die nicht zuletzt unter Lärmgesichtspunkten abgewogenen Flugrouten in einer Vielzahl von Fällen tatsächlich gar nicht geflogen werden.

Handlungsbedarf sieht der SRU auch beim aktiven Fluglärmschutz. Eine Lärmreduzierung an der Quelle, wie durch den Einsatz lärmarmer Flugzeuge oder durch Nachtflugverbote, entlastet die Betroffenen mitunter besser als passive Schallschutzmaßnahmen, zum Beispiel durch Schallschutzfenster. Deshalb sollten rechtlich verbindliche Lärmgrenzwerte für einen aktiven Lärmschutz eingeführt und daran anknüpfend Maßnahmen zur lärmverträglichen Steuerung des Flugverkehrs ergriffen werden.

(Stand: Juli 2014)

Gutachten des SRU zum Thema Lärmschutz:

Hausdruck "Fluglärm reduzieren: Reformbedarf bei der Planung von Flughäfen und Flugrouten": 2014, 214 Seiten, 10 Abbildungen, 2 Tabellen
Kurzfassung "Fluglärm reduzieren: Reformbedarf bei der Planung von Flughäfen und Flugrouten": März 2014, 11 Seiten, 2 Abbildungen
Umweltgutachten 2008 "Umweltschutz im Zeichen des Klimawandels": Kap. 9
Umweltgutachten 2002 "Für eine neue Vorreiterrolle", darin Abschn. 3.2.2.2
Sondergutachten "Umwelt und Gesundheit" ,1999


 


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