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Fischerei

Die Fischerei gehört zu den maritimen Wirtschaftssektoren, die direkt auf die biologischen Ressourcen der Meere zugreifen. Die drei wesentlichen Umweltprobleme, die durch diesen Wirtschaftszweig verursacht werden, sind die Übernutzung der Fischbestände, der Beifang von Nicht-Zielarten und Jungfischen sowie die Schädigung der marinen Lebensräume durch die Fischereiaktivitäten – beispielsweise die Zerstörung der Bodenlebensgemeinschaften durch Grundschleppnetze.

Die genannten Umweltprobleme betreffen auch die europäische Fischerei. In den europäischen Meeren und damit auch in Nord- und Ostsee liegen die Kompetenzen für die Regulierung der Fischerei primär auf europäischer Ebene. Ein zentraler Grund, warum es in der Vergangenheit nicht gelungen ist, die Fischerei in nachhaltige Bahnen zu lenken, war eine durch kurzfristige sozioökonomische Interessen dominierte Gemeinsame Fischereipolitik (GFP).

Mit der Reform der GFP im Jahr 2013 sollten Rahmenbedingungen für ein Fischereimanagement geschaffen werden, die eine langfristige Bewirtschaftung von weitestgehend gesunden Fischbeständen gewährleisten. Darüber hinaus soll die neue GFP ihren Beitrag zum Schutz und zum Erhalt der europäischen Meere leisten. Da die Fischerei derzeit noch einer der Hauptverursacher für Schäden in den marinen Ökosystemen ist, wird es ohne eine nachhaltige GFP nicht gelingen, in Zukunft einen guten Umweltzustand in den Meeren, wie ihn die Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie anstrebt, zu erreichen.

In die reformierte GFP wurde aus Sicht des SRU eine Reihe von begrüßenswerten Verbesserungen aufgenommen. Dies betrifft insbesondere die Festlegung des höchstmöglichen Dauerertrags als Ziel der Bestandsbewirtschaftung. Das Aufgreifen dieses Ziels kann, wenn es auch erfolgreich umgesetzt wird,  maßgeblich zur Erholung der Fischbestände beitragen. Ein weiteres wichtiges neues Element ist das Rückwurfverbot. In Zukunft dürfen gefangene Fische der wichtigsten kommerziell genutzten Arten, auch wenn sie zu klein sind, nicht mehr über Bord geworfen werden und sind auf den Fang anzurechnen. Allerdings bestehen bei dieser Regelung ein Fülle von Ausnahmen und Einschränkungen, beispielsweise sind kommerziell uninteressante Fischarten ausgenommen, die die Wirksamkeit des Instruments in Frage stellen. Auch ist ungeklärt, wie eine Überwachung der Einhaltung dieses Verbots gewährleistet werden kann. Desweiteren wurde ein erster Schritt unternommen, um den Regionen mehr Mitsprache Recht bei der Bewirtschaftung der Fischbestände einzuräumen. Intendiert ist, die Eigenverantwortung der Fischer zu stärken und regionale Besonderheiten Fischereimanagement im höheren Maße zu berücksichtigen.

Die Reform der GFP im Jahr 2013 ist ein erster Schritt in die richtige Richtung für eine nachhaltige Fischereipolitik in Europa. Der Prozess ist aber mit dieser Reform noch lange nicht abgeschlossen. So fehlt zum Beispiel ein zielführendes Fischereimanagement für die deutschen Meeresschutzgebiete.

(Stand: Januar 2015)

Gutachten des SRU zum Thema Fischerei:

Aktuelle Stelllungnahme Nr. 17 (2012) Für einen wirksamen Meeresnaturschutz:
Fischereimanagement in Natura 2000-Gebieten in der deutschen AWZ
Stellungnahme Nr. 16, Fischbestände nachhaltig bewirtschaften
Umweltgutachten 2008 "Umweltschutz im Zeichen des Klimawandels": Kap. 7.5
Umweltgutachten 2002 "Für eine neue Vorreiterrolle": Abschn. 7.2.2.2
Sondergutachten 2004 Meeresschutz

SRU-Medienbeiträge:

Bewertung der Reform der Europäischen Fischereipolitik in „Marine Policy“, July 2014

Fischbestände vor dem Kollaps - Wie steht es um den Fisch in den Weltmeeren?

Vortrag von Dr. Markus Salomon bei den Europäischen Fischwochen 2012


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