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Böden und Flächenverbrauch

Böden sind die Schnittstelle von Luft, (Grund-)Wasser, Pflanzen- und Tierreich. Sie können einerseits Belastungen der Umweltmedien abpuffern und damit abrupte Umbrüche abfedern. Andererseits verändern sich die Böden selbst aber auch durch Belastungen mit Schadstoffen oder durch den Klimawandel, wodurch ihre Ausgleichsfunktionen infrage gestellt werden können. Häufig werden solche Veränderungen erst über längere Zeiträume sichtbar, da das System Boden träge reagiert und vor allem Funktions- und Nutzungsbeeinträchtigungen erst spät bemerkt werden. Ein vorsorgender, bereits auf leichte Verände­rungen reagierender Schutz ist im Fall des Bodens aber besonders notwendig, da die Bodenneubildung in extrem langsamen Prozessen verläuft und Böden in menschlichen Zeithorizonten als nicht erneuerbare Ressource betrachtet werden müssen.

Böden sind zunächst Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Menschen mit all ihren unterschiedlichen Nutzungsansprüchen, die sich durchaus widersprechen können – Landwirtschaft, Wohnungsbau und Naturschutzgebiet stehen z. B. in direkter Flächenkonkurrenz. Neben der Funktion als Nutzfläche erfüllen Böden auch Aufgaben der Grundwasserspeicherung und -reinigung, als Kohlenstoffspeicher, als Filter, Puffer und Transformator, Genreservoir und schließlich auch als archäologisches Archiv. Den größten Anteil an der Landes­fläche hat mit über 50 % die landwirtschaftliche Nutzung. Ca. 30 % Deutschlands sind mit Wald bedeckt, Siedlungs- und Verkehrsflächen liegen bei knapp 13 %, Wasser- und sonstige Flächen liegen bei etwa 2 %. In den Jahren 2009 bis 2012 wurden durchschnittlich täglich 74 ha für neue Siedlungs- und Verkehrsflächen erschlossen – das entspricht der Fläche von 270 km²/Jahr. Obwohl sich der Zuwachs in den letzten Jahren etwas abschwächt, wird das Reduktionsziel der Bundesregierung auf 30 ha pro Tag bis 2020 mit den bisherigen Maßnahmen nicht erreicht werden. Um dies zu erreichen, ist eine umfassende Neuorientierung der Siedlungs- und Verkehrspolitik auf den Ebenen von Bund, Ländern und Kommunen erforderlich.

Beeinträchtigt werden Böden vor allem durch Flächenversiegelung, Schad- und übermäßige Nährstoffeinträge, Erosion, Bodenverdichtung und durch Humusverluste.  Der SRU empfiehlt seit vielen Jahren einen besseren Schutz der Böden: 2002 wurde die Verschärfung der Grenzwerte für die Klärschlammausbringung angemahnt, 2004 die Einführung eines Flächenzertifikatehandels vorgeschlagen, 2008 eine Konkretisierung des Bodenschutzrechts in Deutschland und auf EU-Ebene eine gemeinsame Regelung mit der Bodenrahmenrichtlinie gefordert, 2012 wurde die Klimarelevanz der Moorböden in den Mittelpunkt gestellt. Auch wenn im Einzelnen Fortschritte im Bodenschutz erzielt wurden (der Ausstieg aus der landwirtschaftlichen Klärschlammnutzung steht im aktuellen Koalitionsvertrag, derzeit läuft ein Planspiel zum Flächenzertifikatehandel, die Bedeutung des Moorschutzes findet zunehmend Anerkennung), so sind die Haupttreiber der Bodendegradation in Deutschland – Flächenverbrauch und Eintrag unerwünschter Stoffe – noch längst nicht gestoppt. Das Thema Flächenverbrauch wird daher im Umweltgutachten 2016 erneut aufgegriffen, bereits 2015 werden in einem Sondergutachten Empfehlungen zur Reduzierung der Stickstoffeinträge gegeben.  

(Stand: November 2014)

Gutachten des SRU zum Thema Boden:

Stellungnahme 2017, Für eine bessere Finanzierung des Naturschutzes in Europa nach 2020
Umweltgutachten 2016, Kap. 4: Flächenverbrauch und demografischer Wandel
Sondergutachten (2015), "Stickstoff: Lösungsstrategien für ein drängendes Umweltproblem"
Umweltgutachten 2012, Kapitel 7, Moorböden als Kohlenstoffspeicher
Umweltgutachten 2008, "Umweltschutz im Zeichen des Klimawandels": Kap. 6, Kap. 11

Veröffentlichungen und Vorträge

06.12.2013: KBU-Workshop zum Internationalen Tag des Bodens in 2013, „Wie viel Boden brauchen wir?“; Welche Steuerungsmöglichkeiten bestehen? Verantwortung in einer begrenzten Welt; Dr. Mechthild Baron, Sachverständigenrat für Umweltfragen, Berlin

 


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